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Die lange Nacht des Schnees

 Schön ist es, die Jahreszeiten zu spüren. Gestern war der Winter intensiv. Ein Baum auf der Oberleitung der ÖBB am Weg nach Graz war eine Konsequenz, zweieinhalb Stunden Verzögerung die andere. Spannend wie unterschiedlich Menschen auf derartige ungeplante Ereignisse reagieren: Verwunderung, Wut, Panik, Gelassenheit, das Beste daraus machen - alle Emotionen waren spürbar.  Leider bin ich dadurch spät zur Veranstaltung gekommen, aber Veranstalter und Teilnehmer:innen waren verständnisvoll. Bei der Rückfahrt noch einmal eine Stunde und eine längere Nachtwanderung durch das schlafende Wien bis nach Hause.  Spannend wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, dass alles funktioniert. Heute steht die Kolumne für den Sonntag am Programm, Interviews gegenlesen, an einem Projekt weiterarbeiten. Alles von zuhause. Es ist schön, wenn wir die Jahreszeiten noch spüren. Treffen die negativen Klimaszenarien ein, falls wir versagen, dann wird es nicht mehr allzu häufig geschehen. Auch darum ...

Ein Tag

 Heute wieder  ein recht bunter Arbeitstag. Gestartet bin ich mit einer Vorbereitungsrunde per Zoom für eine spannende Veranstaltung in Salzburg am 15.. 16.Juni zum Thema „Spaltung und Polarisierung“. Wie so oft wird da bereits die Vorbereitung eine wichtige Phase für mich, Vertiefen in ein Thema, Lernen - das bereichert mein Leben sehr. Das Friedensbüro Salzburg und St Virgil sind die Veranstalter. Dann Büroarbeit und schließlich ein langes Interview mit der „Kleinen Zeitung“ zum Thema Pandemie. Es war ein sehr gutes Gespräch mit einem umfassenden Rückblick und der Frage, was wir daraus lernen.  Schön wenn Medien so arbeiten, denn das Lernen sollte im Mittelpunkt unserer Gesellschaft und der Politik stehen.  Schnell ging es am frühen Nachmittag weiter zum Bahnhof Meidling, heute gibts wieder einmal eine Abendveranstaltung - ab 17.30 diskutieren wir in Graz in der Schubertstraße die Zukunft der Pflege. Gleich anschließend gehts zurück nach Wien, um 0.30 bin ich dann ...

Kooperierende Gesellschaft

 Heute bin ich bei der Akademie der Wissenschaften in Wien, um mir eine Veranstaltung zum Thema „Polykrise“ anzuhören. Immer spannend, was andere Menschen zu den Themen sagen, die man selbst bearbeitet. Eine große Chance, auch selbst mit den eigenen Gedanken weiterzukommen. Hätten wir eine konstruktive Politik, dann wäre das auch zwischen Parteien Normalität. Voneinander lernen, um die Probleme bestmöglich zu lösen.   Aber ja, das ist derzeit offensichtlich nicht das Thema. In der Gesellschaft selbst dreht sich allerdings etwas. Es gibt kaum Bereiche, die bei meinen Vorträgen zu mehr positiven Emotionen führen, als das Thema Zusammenarbeit und solidarische Gesellschaft. Das ist auch enorm wichtig, denn ich bin überzeugt, dass wir die Klimakrise nur dann lösen können, wenn wir uns von der konkurrierenden zur kooperierenden Gesellschaft weiterentwickeln.

Berufspolitiker:in

Ein wolkiger Dienstag in Wien. Heute bin ich am Weg ins Fitnesscenter, um die Physio für meinen Rücken fortzusetzen und zu verstärken. Eine fremde Welt für mich. Und dann habe ich heute hoffentlich etwas Zeit ins Grundsätzliche zu gehen, vor allem an meinem neuen Vortrag zu arbeiten. Morgen wieder ein Tag mit Treffen in der Innenstadt und dann gehts am Donnerstag nach Graz zu einer Veranstaltung zum Thema Pflege. Für mich ist das immer ein willkommener Anlass, bei einem Thema wieder in die Tiefe zu gehen.  Das ist neben dem Zeitablauf der größte Unterschied zwischen Spitzenpolitik und meiner neuen Arbeit: jetzt habe ich Zeit, kann vertiefen, bleibe nicht an der Oberfläche, in der Spitzenpolitik ist das einfach unmöglich. Und so entstehen dann die immer allgemeineren Aussagen, manchmal Seifenblasen. Kissinger hat einmal formuliert:“Vor dem Amt wird die Kompetenz abgebaut, um sie dann während der Amtsführung schrittweise abzubauen.“ Zu vielen Reformen gehört meiner Ansicht nach auch ...

Eine neue Woche

 Montag Morgen in Wien. Wieder ist ein Wahltag vergangen, wieder trägt bei den Verlierern jemand anderer die Verantwortung. Wieder sieht niemand eine falsche Strategie. Weiter gehts nach Kärnten, wo der Wahlgang im März unter ganz anderen Voraussetzungen stattfinden wird. Mit einem Landeshauptmann der SPÖ an der Spitze und Grünen, die nicht im Landtag vertreten sind. Und im April gehts dann weiter nach Salzburg, mit wiederum ganz anderer Aufstellung. So verschieden die politischen Situationen auch sind, so ähnlich ist die Grunddynamik: geprägt sind alle Wahlgänge von der tiefen Vertrauenskrise in die Politik, in Regierende insgesamt, davon sind alle westlichen Demokratien mehr oder weniger stark betroffen. Natürlich hat dies mit den Krise zu tun, aber auch mit einem längerfristigen Prozess, der zu immer stärkeren populistischen Wahlbewegungen führt.  In fast allen Fällen ist die große Krise der beiden großen politischen Lager der Vergangenheit, Konservativen und Sozialdemokrat...

Eine Chance für die Demokratie

 Wieder zuhause und ausgeschlafen. Nach einem schönen Abendessen mit im Herd in Backpapier eingewickelt gebackenen Roten Rüben samt geschmackiger Garnierung und nach einer langen, guten Nacht heute ein schöner Morgenspaziergang im Schnee durch Schönbrunn und jetzt Musik, Lesen und Denken. Dabei fällt mir die Entscheidung für den neuen Präsidenten in Tschechien besonders auf. Viele Jahre lang hatte ich enge Verbindung zur tschechischen Zivilgesellschaft und konnte so miterleben, wie schwierig die Entwicklung der Demokratie war. In den vergangenen beiden Tagen standen nun ein Populist und Milliardär und der Kandidat großer Teile der Zivilgesellschaft zur Wahl. Dass Petr Pavel mit großen Abend gewann, ist ein großes Glück, denn Pavel steht für eine weltoffene Gesellschaft, für die Europäische Integration und für die Unterstützung der Ukraine. Diese klare Absage an Populismus und Extremismus ist durch ein parteiübergreifende Zusammenarbeit vieler Demokrat:innen gelungen. Ein Modell und...

Nachricht aus einer anderen Welt.

 Am Beginn der Heimreise aus Vorarlberg. Heute hat die Sonne die Oberhand gewonnen, blauer Himmel zwischen großen, weißen Wolken und leicht beschneiten Bergen. Heraus aus dem Großen Walsertal, bis nach Bludenz und von dort hin zum Arlberg. Und um 18 Uhr bin ich schon wieder zuhause. Rechtzeitig, um das Abendessen zu kochen. Der gestrige Abend brachte wieder einmal eine besondere und ungewöhnliche Lesung. Ein sehr bewusstes Publikum, der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, bestimmt von der Stimmung wurde es eine Lesung, die mit der Pandemie begann und der in der Suche nach einer Utopie endete. Dann das gemeinsame Abendessen - die Veranstaltung hieß Hör-Mahl, eine großartige Konzeption - und zwischen den Gängen immer wieder eine Erzählung von mir. Am Schluss nach vier Stunden noch Signieren vieler Bücher und dabei feine Gespräche. Ich bin dankbar, was und wen ich durch meine Lesereisen kennenlerne. Hier ein Ort der Besinnung, ein geistiges Zentrum voller Innovation und Lebensfreu...