Der Duft der Hunde
Willkommen, Ihr Lieben, in meinem Blog, in dem ich für Euch jeden Sonntag über meine Erlebnisse, Erfahrungen und Meinungen, also über mein Leben berichte.
Und das war wieder einmal eine Woche mit soooooo vielen spannenden Ereignissen.
Da waren unsere Wanderungen, das wunderbare Futter, viele Träume. Da war aber auch ein schlimmer Film im Fernsehen. Nachdem Fußball war der Herrli neben mir auf der Sofa eingeschlafen und plötzlich lief so ein blöder Horrorfilm. Und ich bin total reingekippt, aber hab mich auch sehr gefürchtet. Und konnte nicht mehr wegschauen und niemand konnte abschalten, weil ja der Herrli schlief. Doch endlich ist er aufgewacht und hat kopfschüttelnd gemeint:“Jun, was schaust Du denn da für einen Blödsinn!“
Was ich Euch aber tatsächlich erzählen will, sind die Besuche in dieser Woche. Das freut mich immer sehrsehr: wenn jemand beim Haustor und dann bei der Wohnungstüre läutet und ich ganz aufgeregt bin, was nun passiert. Und alle sind sehr lieb und mögen mich und meine Zweibeiner. Manche geben sogar Packerl ab und es ist dann unglaublich spannend, diese zu öffnen.
Einmal aber ist diese Woche eine Besucherin gekommen und hat beim Eintreten in unsere Wohnung gerufen:“Hier riecht es nach Hund!“. Und das hat nicht so geklungen als würde sie sich darüber freuen. Also nicht:“Hurra, endlich rieche ich wieder den Duft der Hunde!“ - Sondern eher so wie:“Gräßlich wie diese Tiere stinken.“
Das war nicht sehr freundlich und auch nicht angebracht.
Jetzt gebe ich schon zu, dass wir Hunde manchmal sehr intensiv riechen: etwa wenn wir nass werden oder wenn uns besonders heiß ist, bei Stress und auch bei Krankheit Das ist ähnlich wie bei den Zweibeinern, auch die können manchmal intensiv riechen, etwa wenn sie schwitzen. Aber das riecht Ihr selbst nicht so intensiv wie wir.
Wir Hunde können Gerüche viel besser wahrnehmen als Ihr Zweibeiner. Wir riechen tausendmal besser und intensiver, weil unsere Nase besser ist. Und wir sie intensiv trainieren. Beim Spaziergehen alle paar Meter.
Stellt Euch vor, was das bedeutet, wie es sich für uns anfühlt, wenn wir Euer Deodorant tausendfach stärker riechen als ihr. Und dennoch beschweren wir uns nicht und bellen, die Schnauze rümpfend: „Hier stinkts“
Ganz im Gegenteil, denn Geruch ist Kommunikation, mit unserem Geruch erzählen wir so viel. Im Geruch erkennen wir Eure Sorgen, Freuden, Ängste, Eure Stimmung, ja sogar Eure Liebe. So wie wir draussen an manchen Stellen bei den Markierungen die Gesundheit, die Erfahrungen und Erlebnisse anderer Vierbeiner erschnuppern können. Wenn es der Emmi zB nicht gut geht, brauche ich sie nicht sehen, sondern kann das erriechen.
Ohne Gerüche keine Informationen, kein Wissen über den anderen, keine Erzählungen.
Ich zB stehe oft minutenlang im Badezimmer vor dem Kleiderkasten und beschnüffle die Kleidung von meinem Frauli. Weil ich sie liebe, liebe ich auch ihren Duft. Ihr Geruch erinnert mich an Sie und das ist wunderschön.
Bei uns Hunden ist es ähnlich: unser Duft ist der Geruch der Liebe, der Duft der Treue, der Duft der Lebensfreude. Wer uns Hunde riecht, riecht unsere Eigenschaften, unseren Charakter, unser Leben.
Und ich bin überzeugt: dieser Duft ist gut und schön, weil unser Charakter gut und schön ist.
Tja, so ist das. Schnuppert doch auch einmal intensiv durch die Welt und ihr werdet riechen, wie es dem Nachbarn geht, wie sich die Besucherin fühlt, wie unser aller Zustand ist.
Der Duft des Lebens eben. Und den braucht man nicht zu verstecken. Das wäre so als würdet Ihr Eure Worte unterbinden und nichts mehr sagen. Aus Angst, es würde jemandem nicht gefallen.
Also weg mit dem Deo, her mit dem ehrlichen Geruch. Er ist gut und schön.
Nein, mir stinkts nicht, sondern ich kann Euch alle soooo gut riechen.
Ich wünsche Euch allen einen duftenden, sonnigen, angenehmen Sonntag!
Euer Junior vulgo Junie vulgo Jun
PS: nach Diktat verreist - heute mit der Frauli wieder an den Attersse. Da wasche ich mich kräftig!