Was machen Sie eigentlich seit dem Ausstieg aus der Politik? Ein Einblick
Auch fünf Jahre nach meinem Ausstieg aus der Bundesregierung werde ich täglich im Zug, der Straßenbahn, auf der Strasse, im Café oder in der U-Bahn gefragt, wie es mir geht (danke, ich fühle mich wohl und bin zufrieden) und was ich seither arbeite. Daher hier ein kleiner Einblick in das erste Halbjahr 2026.
1.Ein großes Projekt der letzten Monate war mein neues Buch „ErMUTigung“ - insgesamt mein 8., seit meinem Ausstieg aus der Parteipolitik nach „Pandemia“ und „Wie wir uns die Zukunft zurückholen“ mein Drittes. Das Schöne: ich lasse nicht schreiben, sondern ich recherchiere, verfasse und formuliere den Text. Knapp ein Jahr hatte ich daran gearbeitet, international recherchiert, viele der Schauplätze der Erfolgsmodelle selbst besucht, bis das Buch nach einer sehr angenehmen Zusammenarbeit mit dem Team des ueberreuter-Verlages im März veröffentlicht wurde. Seither haben viele Lesungen begonnen, im Herbst folgen viele weitere und auch für 2027 sind bereits die ersten Verträge unterzeichnet. Mit diesen drei Büchern habe ich bereits 185 Lesungen abgehalten. Das war wunderbar! Inhaltlich bin ich mit dem Buch sehr zufrieden, es kann wichtige Impulse für unser Denken und Handeln und vor allem auch in der Politik auslösen. In diesem Sinn sind einige außergewöhnliche Projekte in Vorbereitung, auf die ich mich sehr freue und die ich natürlich auch gerne kommunizieren werde.
Diese Impulse vor allem für die Politik möchte ich weiter ausbauen und verstärken, denn das ist das Hauptziel des Buches: zu vermitteln, warum der aktuelle weltweite Rechtsruck stattfindet und wie wir ihn korrigieren können.
2.Lesungen, Vorträge & andere Veranstaltungen: Als Ein-Personen-Unternehmen ist es viel Arbeit, die vielen Anfragen für Veranstaltungen zu beantworten, Termine zu koordinieren, Verträge abzuschließen, die Reisen zu planen, die Buchhaltung umzusetzen. Im ersten Halbjahr waren es 36 Vorträge und Lesungen, die mir sehr viel Freude machen. Anreise immer mit Öffis, fast immer sehr gut besuchte Termine, spannende Diskussionen und eine hervorragende Stimmung. Mittlerweile versuche ich stärker als früher auf meine Kräfte zu achten und habe in jeder Woche Termine für diese Lesungen und Vorträge reserviert, die dann in der Reihenfolge der Vertragsabschlüsse und nach dem Prinzip der kurzen Wege vergeben werden. Die Nachfrage ist weiterhin enorm, alle Termine für das zweite Halbjahr sind bereits vergeben, derzeit werden die Termine für 2027 geplant. Alle Infos: www.anschober.at
3.Mein großes Anliegen: eine faire Versorgung aller an ME/CFS und anderen Formen von PAIS erkrankten Menschen zu schaffen und die Forschung zu verstärken. Bei der Forschung sind uns - ich unterstütze die WE&ME-Foudation - einige große Verbesserungen gelungen und ich bin begeistert von Engagement und Kompetenz der Wissenschaftler:innen. Hoffentlich gelingt bald ein Durchbruch in Richtung Therapie.
Bei der medizinischen und sozialen Versorgung bzw Absicherung waren wir ebenfalls sehr engagiert, aber hier sind wir noch nicht dort, wo wir hinwollen. Wir haben mit fast allen Verantwortlichen in den Bundesländern gesprochen, um den Aufbau von Behandlungszentren zu erreichen - hier beginnt sich einiges zu bewegen. Wir haben eine große Petition der Betroffenen für einen engagierten Nationalen Aktionsplan unterstützt, der aktuelle Beschluss der Bundeszielsteuerung bringt noch nicht das, was wir brauchen. Und wir haben noch viel zu tun, um die soziale Absicherung sicherzustellen. Je aktiver ich in diesem Bereich bin, desto mehr an Not erfahre ich. Von Schwerkranken, von Verzweifelten kommen beinahe täglich Nachrichten. Wir haben ein starkes Netzwerk der Engagierten geschaffen und werden nicht locker lassen, bis die notwendigen Verbesserungen verwirklicht sind.
4.Vorlesungen an Universitäten machen mir besonders viel Freude, die Arbeit mit Studierenden ist sehr angenehm, auch ich lerne dabe viel. Seit drei Jahren habe ich jährlich einen Lehrauftrag an der PMU Salzburg, im Herbst folgt Wien und im kommenden Jahr auch Graz. Das fordert mich auch selbst, motiviert mich am letzten Stand der Wissenschaft zu bleiben und ermöglicht mir, erworbene Kompetenzen weiterzugeben.
5.Juniors wöchentlicher Blog ist eine willkommene, lustige Abwechslung - macht Spaß, ermöglicht Witz und zeigt, welch wunderbare Lebewesen unsere Vierbeiner sind. Dieser Blog erscheint jeden Sonntag vor 10 Uhr.
6.Mit Junior zu tun hat ein weiteres Engagement der letzten Monate: seit dem diesbezüglich katastrophalen Silvester engagiere ich mich für ein Verbot der privaten Silvesterknallerei. Ich habe eindrücklich erlebt, wie sehr viele Menschen und Tieren darunter leiden - das muss einfach nicht sein. Wir haben eine gemeinsame Allianz für ein böllerfreies Österreich geschaffen, absolvieren derzeit Gespräche mit Politikerinnen und Politikern der verschiedenen Parteien und setzen uns dabei für ein Verkaufsverbot an Private ein.
7.Und schließlich der Büroalltag: ich habe mir in meiner Wohnung in Wien ein funktionierendes Büro eingerichtet. Hier wird von mir viel unsichtbare Arbeit erledigt: täglich ein paar dutzend Mails beantworten, mein Netzwerk an Wissenschaftler:innen betreuen und ausbauen, die Plattformen betreuen, viele Interviews mit Medien und Studierenden geben, Aufnahmen für Podcasts verwirklichen, Hintergrundgespräche geben, Studien lesen, Wissen zu Themen aufbauen, die ich für besonders wichtig erachte. Von hier aus verwirkliche ich auch den einen oder anderen Beratungsauftrag mit jenen Kompetenzen, die ich mir in 18 Regierungsjahren aufgebaut habe.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir meine jetzige Tätigkeit viel Freude macht, sie ermöglicht es politisch zu arbeiten ohne weiter in der Parteipolitik zu sein, sie gibt mir Zeit, bei wichtigen Themen in die Tiefe zu gehen, gibt mir deutlich mehr Freiräume als zuvor. Und dennoch fehlt mir auch manches aus meiner langjährigen politischen Arbeit, vor allem natürlich die Möglichkeit unmittelbar zu gestalten, wie ich das in 18 Regierungsjahren, zum Teil auch in 13 Jahren in Parlamenten konnte.
Aber es ist ein großes Geschenk, nach der Parteipolitik noch einmal eine spannende berufliche Etappe mit viel Erfolg starten zu können. Ich bedanke mich für die enorme Unterstützung so vieler unterschiedlicher Menschen und viele Freundschaften, die auf diesem Weg entstanden sind.
Bis Anfang September gibt es bei den Lesungen und Vorträgen eine Sommerpause, am 17.September geht es wieder los, dann mit sehr vielen Terminen im Herbst von Wien bis Vorarlberg. Alle bereits verbindlich fixierten findet Ihr jeweils auf www.anschober.at.
Und für die zweite Jahreshälfte erwarte ich einen Untersuchungsausschuss der FPÖ zu Corona. Ich werde diesen Blog nützen, um stets schonungslose Transparenz in dieser parteipolitischen Initiative zu schaffen, soweit dies für ein Einpersonen-Unternehmen möglich ist.