5 Jahre nach meinem Ausstieg aus der Bundesregierung
Jessas, fünf Jahre sind das schon! Und immer noch fragen viele freundliche Menschen, was ich nun mache. Daher schauen wir an dieser Stelle doch einmal zurück, es waren turbulente fünf Jahre, die mit einem Knalleffekt begonnen haben. Einige Tage habe ich mit Regierungskollegen gesprochen. Alle habe mich ermuntert, weiterzumachen. Doch ich wusste, dass das nicht geht. Das habe mir die Ärzte gesagt, das habe ich gespürt. Ich hätte zumindest eine längere Auszeit gebraucht, die sich auch früher schon Regierungsmitglieder genommen hatten, weil sie erkrankt waren. Aber das ging diesmal nicht, man kann sich als Pandemiemanager nicht während der akuten Phase der Pandemie aus dem Amt in einen Erholungsurlaub verabschieden.
Auch mit dem Abstand von fünf Jahren war die Entscheidung richtig. Sie hat mich sehr geschmerzt, aber sie war alternativlos.
Zuerst habe ich mich nach dem 13.April 2021 erholt, zehntausende Zusendungen gelesen und mich darüber gefreut, dann mit meiner persönlichen Aufarbeitung der Pandemiezeit begonnen und diese zu einem Buch verarbeitet. „Pandemia“ war mein - sehr erfolgreiches - erstes Projekt nach dem Ausstieg, ein Bestseller mit enormen 55 Lesungen im ganzen deutschsprachigen Raum.
Mir hat das gut getan und mich darin bestärkt, diesen Weg weiterzugehen. Ich habe Beratungsaufträge angenommen, Vorträge und Workshops angeboten, weit über hundert Kolumnen verfasst, Lehraufträge von Unis und Hochschulen erhalten, zwei weitere Bücher geschrieben, sehr viele Lesungen umgesetzt. Insgesamt bin ich mittlerweile bei 165 Lesungen, die allermeisten sind sehr gut besucht, die Stimmung ist meist großartig.
Und das ist einer der großen Unterschiede dieser beiden beruflichen Wirklichkeiten: als Politiker (mit 13 Jahren in Parlamenten und 18 Jahren in Regierungen) habe ich viel erreicht und grüne Visionen umgesetzt, aber nun habe ich mehr Zeit, mich auf die aus meiner Sicht besonders wichtigen Themen zu konzentrieren. Das ist das Besondere als Autor: ich arbeite monatelang an der Recherche, habe mir ein internationales Netzwerk an Wissenschaftlern aufgebaut, übersetze die Erkenntnisse aus diesen vielen Gesprächen und Analysen in Texte. Und versuche so Impulse zu setzen, Informationen weiterzugeben, Entwicklungen zu beeinflussen.
Bücher zu schreiben, hat für mich nicht nur das Ziel, ein „Produkt“ zu schaffen und an Interessenten zu vermitteln, sondern ist vor allem auch die Plattform für Veranstaltungen, die ich sehr liebe. Insgesamt werden es bis Jahresende an die 300 seit meinem Ausstieg sein - im Durchschnitt mit einem Besuch von über hundert Interessierten. Danke für die vielen wunderbaren Begegnungen, die damit verbunden sind.
So versuche ich weiter politisch (nicht mehr parteipolitisch) zu arbeiten und meinen Beitrag zu leisten.
Es ist ein großes Geschenk, ein zweites beruflichen Leben erfolgreich starten zu können. Unter ganz anderen Bedingungen: nun habe ich keinen einzigen Mitarbeiter, keine Mitarbeiterin, bin ein klassisches Ein-Personen-Unternehmen, dafür habe ich auch viel weniger Druck und zeitliches Korsett.
Daher bleibt auch mehr Zeit für mich selbst: für mein Privatleben, neue Interessen jenseits der Politik, Freundschaften. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ich habe mich aus vielen Gründen dafür entschieden, dass es kein Zurück in die Politik geben wird. Es ehrt mich sehr, bei fast jeder Veranstaltung und vielfach auf der Straße gefragt zu werden, ob ich nach der zweiten Amtszeit von Alexander Van der Bellen bei der nächsten Bundespräsidentschaftswahl kandidieren werde. Meine Antwort ist sehr klar: ich habe keinerlei Ambitionen, dieser lange Abschnitt meines Lebens ist abgeschlossen.
In den nächsten Monaten freue ich mich auf viele Veranstaltungen, freue mich auf zwei große politische Projekte in Sachfragen, freue mich auf ein nächstes, langfristiges Buchprojekt, das langsam in meinem Kopf entsteht, freue mich zu leben und das Leben zu genießen.
Mit all den Lieben, deren Leben ich begleiten darf.
Danke für die unglaubliche Unterstützung, die ich von so vielen Menschen gerade in den letzten Jahren erfahren habe, den schönen Rückmeldungen, konstruktiver Kritik.
Ich bleibe neugierig, will weiterhin lernen und mich weiter entwickeln.
Und dabei weiterhin meinen Beitrag leisten.
Danke Euch allen!