Das Geheimnis der verlassenen Strände
Willkommen, Ihr Lieben, in meinem Blog, der Euch jeden Sonntag von meinem Leben berichtet. Derzeit lebe ich ja für einige Zeit im Salento. Daher möchte ich heute von meinen Lieblingsplätzen berichten, den verlassenen Stränden.
Und das geht so: am Morgen wandern wir immer zu einem ganz kleinen Strand. Vorgestern hat uns eine Tierärztin erzählt, dass es hier immer wunderschön ist, außer im Sommer, denn da wird jeder Zentimeter für Liegestühle genützt - da haben Einheimische und auch Hunde keinen Platz. Aber von Mitte September bis Mitte Mai ist das ganz anders. Manchmal treffen wir einzelne Fischer (mmmhm, die haben Weißbrot dabei, das sie für die Fische an ihre Angeln hängen, aber auch für mich fällt manchmal ein Stück ab), aber sonst ist der Strand leer. Ausnahme: heute sind zwei Strandhunde gekommen, mit denen ich mich kurz ausgetauscht habe.
Ich darf dann ohne Leine herumlaufen, mich im angeschwemmten Seegras vergraben, Holzis, die der Herrli wirft, aus dem Wasser retten. Auf dem Strand ist eine wunderbare Unordnung. Doch ich weiß ganz genau, wo meine speziellen Holzis liegen, die Teile von zerrissenen Fischernetzen, die so wunderbar riechen, und angeschwemmte Muscheln, Seeigeln und Seegurken. Vielvielviel schöner als der geputzte Strand im Sommer.
Es ist als hätte ich eine präzise Karte in mir eingebaut, ich denke nicht viel nach und steuere präzise das Fundstück vom Vortag an. Wie das geht? Das ist mein Geheimnis.
Danach gibt es eine klare Abfolge, deren Einhaltung ganz besonders wichtig ist: zuerst mit vollem Tempo und mit ganzem Körper noch einmal ins Wasser. Dann leicht abschütteln und zum trockenen Sand laufen und dort ordentlich im Sand wälzen, bis ich vollständig bedeckt bin und aussehe wie ein wilder Sandbär (gibts sowas eigentlich?). Anschließend schnell zum feuchten Seegras, in dem ich mich tief vergrabe, damit einiges am früheren Pelz hängen bleibt.
Herrli sagt dann immer: Wo ist mein Schnitzerl? (Aber ich hoffe, er meint das nur per Spaß, er isst ja kein Fleisch - Gott sei dank).
Dann ruft er mich: „Junior!“. Keine Reaktion! Ich muss doch schnell an einem Holzi 143 kauen. Warum stört er mich gerade jetzt?
„Junie!!“ - Ich bin doch noch nicht fertig!
„Juuuun!!!!“ - Ok, jetzt wird’s ernst, da komm ich doch schnell. Immerhin wartet eine kleine Belohnung.
So gut dekoriert wandern wir dann zum Cafehaus am Nachbarstrand weiter. Leider hält die Panier bis dorthin nicht und ich komme wie der sauberste Hund der Welt bei meinen Kellnerinnen und Kellnern, die so lieb sind zu mir, an. Der Eimer mit Wasser wartet schon. Herrli hingegen muss erst bestellen.
Am Heimweg gehts beim zweiten Strand vorbei, der ist ganz anders, keine Fischer, dort baden derzeit noch immer einige Zweibeiner. Das ist der Strand, an dem ich meine diversen Grabungsarbeiten vollrichte. Warum nur hier und nicht bei meinem Badestrand - das ist und bleibt mein Geheimnis.
Bald es nach Hause. Aber heute wandern wir noch einmal in unsere kleine Wohnung, Herrli bereitet das Futter zu und mit vollem Bauch fallen mir die Augen zu und ich schlafe und träume - bis mich eine Fliege weckt.
Einen schönen Sonntag Euch allen!
Liebe Grüße und bis bald
Euer
Junior vulgo Junie vulgo Jun